25. Dezember 2008

Frohe Weihnachten - Feliz Navidad

Susanne und Michael haben mir ein Gedicht von Hermann Hesse geschickt, das mir sehr, sehr gut gefällt:
Weihnachten
Ich sehn' mich so nach einem Land
der Ruhe und Geborgenheit
Ich glaub', ich hab's einmal gekannt,
als ich den Sternenhimmel weit
und klar vor meinen Augen sah,
unendlich großes Weltenall.
Und etwas dann mit mir geschah:
Ich ahnte, spürte auf einmal,
daß alles: Sterne, Berg und Tal,
ob ferne Länder, fremdes Volk,
sei es der Mond, sei's Sonnenstrahl,
daß Regen, Schnee und jede Wolk,
daß all das in mir drin ich find,
verkleinert, einmalig und schön.
Ich muß gar nicht zu jedem hin,
ich spür das Schwingen, spür die Tön'
ein's jeden Dinges, nah und fern,
wenn ich mich öffne und werd' still
in Ehrfurcht vor dem großen Herrn,
der all dies schuf und halten will.
Ich glaube, das war der Moment,
den sicher jeder von euch kennt,
in dem der Mensch zur Lieb' bereit:
Ich glaub, da ist Weihnachten nicht weit!

Hermann Hesse (1877-1962)

Jedes Jahr wieder ist Weihnachten ganz anders als in Deutschland. Temperaturen tagsüber bei ca. 32ºC, die Sonne knallt heftig, und gestern abend konnten wir - Alexandra, Sven und ich - bis nach Mitternacht auf der Terrasse sitzen. Und ausser dem Wasser, das durch den Kanal auf meinem Grundstück lief, ist kein Geräusch zu hören (wenn die Hunde nicht gerade bellen), und um uns ist es stockfinster, aber mit einem herrlichen Sternenhimmel.

Wir wollten ursprünglich Heiligabend bei Ali und Sven verbringen, wegen deren Kinder, sie haben sich aber dann zum Ortswechsel bereit erklärt, nachdem am 23.12. bei mir eingebrochen wurde. Ein Fenster und drei Rollläden kaputt, so gut wie nichts geklaut, und wir sind immer noch nicht sicher, wie der/die Einbrecher ins Haus gekommen sind. Denn das Loch im Fenster ist nicht sehr gross, alle scharfkantigen Scherbenreste waren noch am Fensterrand und auf dem Heizkörper, und die Scherben auf dem Boden waren nicht zertreten. Vorsichtshalber habe ich mal die Türschlösser ausgetauscht, denn es kann natürlich sein, dass einer der Bauarbeiter sich rein zufällig eine Kopie eines Schüssels gemacht hatte. Auf jeden Fall haben sie nicht viel mitgenommen (ein bisschen Schmuck und eine Uhr). Da Carmen, meine Putzfrau, an diesem Nachmittag kam, nehmen wir an, sie hat sie überrascht. Denn es war nicht ihr normaler Arbeitstag.

Gut, dass ich jetzt gerade über zwei Wochen Urlaub habe, denn so lange das Fenster nicht wieder heil ist, werde ich nicht ohne weiteres das Haus verlassen können. Carmen kommt so lange zum Glück 3x in der Woche, so dass ich zumindest an diesen Tagen weg kann. Aber ich möchte ja so und so mein Haus fertig einrichten, d.h. die bisherige Rumpelkammer (das Arbeitszimmer) und mein Schlafzimmer.


Im Condominio haben wir letztes Wochenende eine Weihnachtsfeier für die Kinder der Nachbarn und Mitarbeiter organisiert. Vor zwei Jahren gab es ausser Nicolas, so weit ich weiss, noch kein Kind hier (er war zu der Zeit vor allem in den Sommerferien ziemlich einsam), inzwischen kommen aber 15 Kinder zusammen. Viele davon sind im Alter von 1 - 3 Jahren, so dass diese Altersklasse richtig viele Freunde im Cobijo haben wird.

Die Reaktionen auf den Weihnachtsmann waren auch unterschiedlich: Teresita voll Vertrauen.





Aber Pascal will doch gleich wieder zurück zu seiner Mama.

Und ein Abendfoto von den Anden zum Abschluss:


17. November 2008

Frühling in El Cobijo

Ab September wird es wärmer in Chile und ich habe dieses Jahre nach der Rückkehr aus Deutschland die Sommerzeit herbeigesehnt, um nach der Arbeit noch Tageslicht zu haben und den Garten geniessen zu können. Denn der Espino blüht mit kleinen gelben Kugeln, und ist auf meinem noch wenig angelegten Grundstück der erste, aber verbreitete Farbkleks. Die Hunde haben meine Abwesenheit dazu genutzt, Streuner zu werden und tagtäglich den Berg hinterm Haus erkundet. Ich habe ihnen dann erst einmal das Loch im Zaun verschlossen, sie sind damit (zwangsweise) deutlich häuslicher geworden, auch wenn sie die Neugier immer wieder Ausbruchversuche machen lässt, d.h. ich schliesse immer mal wieder Löcher im Zaun.
Mit den jetzt schon sommerlichen Temperaturen sind sie während des Tages allerdings ruhiger - Frida auf dem Rücken (schamlos, oder ??) - sie geniessen den kühlen Rasen - oder sie lassen sich mit Knochen verwöhnen.


Wenn es kühler wird, toben die drei Weiber gerne durch den Garten, Tina schmeisst sich auf den Rücken, die zweite zerrt an ihrem Halsband und die dritte zwickt ein Hinterbein. Und plötzlich fegen sie alle nacheinander durch den Garten. Dingo hält sich bei diesen Frauenraufereien meist raus - er ist halt ein Jahr älter und damit schon viel reifer.Frida und Tina haben gerade ihren ersten Geburtstag hinter sich, Ema fehlt noch ein Monat.

2 Tage in Niebüll

Mutti und Papa holten mich dann ab in Stade, und wir fuhren weiter nach Nordfriesland.

Am Fähranleger in Glückstadt begrüsste uns die Entenparade:





In Husum haben wir uns das erste Krabbenbrötchen gegönnt. Den Fisch haben wir in den nächsten Tagen so und so noch genossen, es gibt immer einige "Pflicht"-Essen, wie frische Matjesfilet und Scholle.

Am 16. September haben wir eine Radtour gemacht durch die Köge nach Dagebüll ans Meer. Ist der Aufenthalt in Niebüll auch noch so kurz, einmal muss man ja zur "Bude", das Badehäuschen der Familie. Und es gab noch eine abgehärtete Frau, die im Wasser war - uns war es schon deutlich zu kalt, brrrh.
Ein besonderes Erlebnis war für mich der plötzliche Ruf: "Weg von den Schienen, die Lore kommt." Von Dagebüll gibt es Schienen rüber zur Hallig Oland, sie werden gerade erneuert, und auf dem alten Schienenstrang kam die Lore angedüst. Und ich kann mich nicht erinnern, jemals die Lore gesehen zu haben, trotz all der Ferien, die wir im Norden vebracht haben.

Und am 17. September haben wir den 99. Geburtstag von Oma mit ihr im Altersheim gefeiert. Es war ein richtig schöner Tag, Oma war gut gelaunt und richtig fit, so dass wir alle den Tag fröhlich und mit viel Lachen geniessen konnten.

15. November 2008

Ein Rückblick auf September

Ich sitze hier auf einem langweiligen Kongress und habe die Fotos von Deutschland mal wieder genossen und mich erinnert. So dass ich euch ja auch mitleben lassen kann.

Im September konnte ich wegen einer Tagung der lateinamerikanischen Händler nach Deutschland reisen, und fast noch zwei Wochen Urlaub anhängen. Für mich war es ein ideales Datum, da Oma am 17. September 99 Jahre alt wurde, ich dabei sein konnte und somit auch wieder mal nach Niebüll kam.

Anke war zu diesem Zeitpunkt noch hochschwanger. Da ich ja auch zum Zeitpunkt der Geburt von Flora in Deutschland war, frotzelten wir schon, dass sie sich mit der Geburt beeilen muss, damit ich sie noch miterlebe, denn Termin war 2 Tage nach meinem Abflug. Ich habe Jona aber nicht mehr kennengelernt, denn er wurde geboren, als ich im Flieger nach Madrid sass, schon auf dem Heimweg nach Chile.





Bilder von meiner Reise in den Norden Deutschlands:
Auf dem Weg nach Niebüll habe ich Zwischenstation in Stade bei Gaby, Peter, Svenja und Erik gemacht. Wir hatten uns schon einige Jahre nicht mehr gesehen, so dass wir die Tage genossen haben, mit:














Einem Strandspaziergang in Cuxhaven















Lecker Eis - gell, Erik??














Einem Segelrundflug über Stade und der Elbe - leider mussten Erik und Svenja unten bleiben, Erik ist noch zu jung als Pilot.



Für mich wurde es dann allerdings Ernst und ein schönes, wenn auch kurzes Erlebnis, denn die Thermik war nicht gut.



























Telleressen????









30. Juni 2008

Unser Wasserreservoir

Unsere Lagune im Condominio, offiziell das Reservoir für die Bewässerung der Pflanzen und Bäume, in Zukunft eventuell auch mal "schiffbar", hat auch noch keine Fische, aber eigentlich fehlt nur die Parkbank.

26. Juni 2008

Und schon wieder sind drei Wochen rum

Ich habe mein Auto dann zu meinem Geburtstag bekommen, was natürlich ein Bomben-Geschenk an mich selbst war. Somit hatte es dann auch schon sein Nummerschild, und ich bin jeglicher Diskussion aus dem Weg gegangen, dass man zwar ohne Nummernschild fahren darf, jedoch sich auf den gebührenpflichtigen Autobahnen nicht von der Polizei erwischen lassen darf, da das Auto ja von den automatischen Mautstationen ohne Nummernschild nicht erfasst werden kann. D.h, die Autobahngesellschaft kann einem keine Rechnung schicken. In der chilenischen Realität fahren zwar fast alle neuen Autos ohne Nummernschild auf der Autobahn, da ja die Polizei so und so nicht kontrolliert, aber ein Strafzettel wäre noch ein schöneres Vorgeburtstagsgeschenk gewesen.

Das Auto ist ein Subaru New Impresa 1.5, knallrot, hat einen Boxermotor und ständigen 4-Rad-Antrieb, 107 PS, und er gefällt mir sehr gut. Vor allem auf ungepflasterten Strassen ist er sehr laufruhig. Und ich muss immer aufpassen, dass ich nicht zu sehr über die 120 km/h herausschiesse, die hier auf der Autobahn erlaubt sind.


Am 14. Juni haben wir meinen Geburtstag mit ca. 12 kg Fleisch auf dem Grill, Kartoffelgratin und vielen Salaten gefeiert. Wir hatten herrlichstes Wetter, und da ich schon ab mittags eingeladen hatte, konnten wir den ganzen Nachmittag im T-shirt draussen verbringen. Ab 17:00 Uhr wird es dann aber schnell richtig kalt, ab 6 Uhr ist ja auch dunkel, woraufhin nur noch einige Gäste noch blieben. Diesmal habe ich mir auch den Luxus erlaubt, das Carmen mir mit dem Abwasch und hin- und herräumen geholfen hat, denn sonst ist eine solche Fete als alleinige Gastgeberin doch anstrengend.
Meine Beschäftigung am letzten Wochenende habe ich schon Eike erzählt, ich werde sie einfach wiederholen:

Ich habe am Wochenende mit meiner Speisekammer gekämpft, d.h. ich habe die Regale angebracht. Da wir ja Ytong-Wände haben, hatte mir Beate Anfang des Jahre spezielle Fischerdübel mitgebracht, die man, wenn man das Loch gebohrt hat, noch mit dem Hammer reinschlagen muss, damit sie sich in dem weichen Material verhaken. Tja, entweder ist frau sehr schwach (mir tat der Arm schon nach einem Dübel weh) oder die Ytong-Wände sind hier härter, da sie ja wegen der Hitze + Erdbeben eine andere Zusammensetzung haben als in Deutschland. Auf jeden Fall habe ich fünf von acht Dübeln reinbekommen, und in die anderen Löcher dann doch normale Dübel gesteckt. Und von den fünf Fischerdübeln waren 2 scheinbar nach innen hin so verformt, dass ich hinterher die Schraube nicht ganz reindrehen konnte.
Das Resultat: Das Regal hängt, sieht gut aus, ich musste jedoch die Wand mit Spachtelmasse und Farbe retouschieren, damit man die verfehlten Hammerschläge nicht mehr so sieht ! :-) Und ... ich werde für die Weinflaschen doch ein Regal kaufen, dass ich unter das unterste Brett schieben kann.

Ansonsten hatte ich Besuch von der Behörde für das Abwasser (die das Abwassersystem abgenommen hat), vom Gaslastwagen (da ich kein Gas mehr hatte und schon mit meinem gusseisernen Ofen heizte), von einer Freundin (mit der ich schön gekocht und gut gegessen habe) und von einer angehenden Landschaftsgärtnerin + einem Rasenspezialisten. Diese beiden wollen mir einen Kostenvoranschlag für meinen Garten machen. Über Langeweile konnte ich mich nicht beklagen! Puh!

Den Kostenvoranschlag für den Garten rund ums Haus habe ich auch schon bekommen. Und es ist finanzierbar, so dass ich wahrscheinlich am Sonntag noch einmal die Einzelheiten abklären werde und dann wohl bald tatsächlich Rasen um das Haus haben werde (neben anderen Pflanzen). In einer zweiten Phase werden dann der vordere Teil des Grundstückes und die Obstbaumplantage drankommen.

Bis bald!

4. Juni 2008

Anfang Juni

Der Ort Chaitén und die Gegend 50 km um den Vulkan sind immer noch evakuiert, die Einwohner dürfen erst in zwei Monaten wieder zurück. Inzwischen hat sich die Asche mit Regen vermischt, und es sollen auch einige Häuser vom Waser weggespült worden sein.

Laut Wikipedia ist übrigens erst 1994 festgestellt worden, dass der "Hügel Chaitén" ein Vulkan ist, der dann Chaitén genannt wurde. Ich nehme an, das erklärt, warum er so schwer auf der Landkarte zu finden ist. Er liegt nur 10 km ausserhalb des Ortes Chaitén, der ca. 4000 Einwohner hat(te).

Auch in Santiago ist der Regen eingezogen. Alle Befürchtungen, dass wir nach schon zwei "trockenen Wintern" wieder einen trockenen Winter bekommen würden, sind damit vom Tisch. Und heute durfte ich dann auch schon über die üblichen Pfützen springen, und beim Autofahren aufpassen, den Fussgängern keine Dusche zu verpassen. Es ist nicht überall so schlimm wie auf diesem Foto, aber es ist real.

Mein Haus ist bisher dicht, mit der Zentralheizung auch angenehm warm (welch Luxus hier!). Gestern haben mir beim Heimkommen die Hunde mit ihren ach so trockenen Pfoten die ganze Hose eingesaut, die somit in der Waschmaschine landen wird. Heute habe ich vorgebeugt und werde am Tor meine Regenhose anziehen! Wahrscheinlich eine gute Idee, da es heute deutlich mehr geregnet hat. Zwischen Ricardas und meinem Haus können wir uns auch nur noch in Gummistiefeln bewegen, die Matschbrocken bleiben so richtig schön an den Stiefeln hängen, und die wiegen dann .... tja, das Landleben ist schon unterhaltsam!

Und die Berge sind natürlich schon herrlich weiss. Bisher war es aber noch nicht wieder richtig sonnig und klar, um eines der Traumfotos mit den schneebedeckten Anden zu schiessen.


Seit dieser Woche ist es im Büro auch etwas ruhiger. Wir haben letzte Woche unseren grossen Kongress hinter uns gebracht - 4 Tage Stress und immer erst um Mitternacht zu Hause. Und am Freitag auch noch Smogalarm, meine Autonummer endet mit "1", die Zahlen 1 und 2 waren zum Fahren gesperrt zwischen 7:30 und 21:00 Uhr. D.h., ich musste am Freitag vor 7:30 Uhr im Büro sein. Das war mir so gerade das richtige "Heimkommgeschenk" donnerstags nachts, als ich es im Radio hörte. Samstag nacht war nach dem Abbau Ende, und am Sonntag bin ich um 11:30 Uhr aufgewacht. Ich weiss nicht, wann mir das das letzte Mal passiert ist, dass ich so lange durchgeschlafen habe.

Und die gute Nachricht dieser Woche: Ich kratze gerade mein Geld zusammen, denn ich werde mir zum Geburtstag ein neues Auto "schenken". Bzw. schenke müssen, da mein Auto in letzter Zeit zu gerne in der Werkstatt ist. Mal sehen, ob es klappt, dass ich es am Samstag schon kriege. Dann stelle ich es euch vor (mehr wird noch nicht verraten). Die Gebrauchtwagenpreise sind hier übrigens immer wieder ein Hammer. Ich bekomme für meinen 5 Jahre alten Corsa (brasilianische Fertigung) noch 50% des Neukaufpreises - und das vom Autohändler, der den Corsa in Zahlung nimmt.