30. Dezember 2008

Ohne Rücksicht auf Verluste

Heute musste ich einmal herzlich lachen. Es gibt einen Tunnel, den Tunnel San Cristóbal, der die Stadtteile Huechuraba und Providencia miteinander verbindet. Für uns ideal, da er die direkteste Verbindung vom Büro zur Autobahn ist. Dieser Tunnel ist seit ein paar Monaten vom Süden in den Norden (Providencia nach Huechuraba) eröffnet, die Gegenrichtung musste warten, da die Zubringerstrasse und -brücke erst gebaut werden mussten. Dann waren Strasse und Brücke fertig, es wurden an die Autofahrer Pläne der Verkehrsführung verteilt. Alles prima. Nur, es gab ein Linksabbiegerverbot vor dem Tunnel, das die Chilenen grosszügig übersehen haben, da ja noch kein Gegenverkehr aus dem Tunnel kam (Nord-Südrichtung). Logisch, warum auch einen Bogen von einem Kilometer fahren, wenn es auch so geht?
Tja, und heute wurde die Gegenrichtung eröffnet. Und die Polizei schickte gnadenlos alles Autos, die unerlaubt links abbiegen wollten, geradeaus weiter durch den Tunnel. Dieser ist 1,8 km lang, kostet Autobahngebühr (zum Glück nicht viel), und dann muss man ja wieder zurück, um seinen ursprünglichen Weg wieder aufzunehmen. Pech gehabt!

27. Dezember 2008

Verbrannte Erde

Und gestern hatten wir einen anstrengenden Nachmittag im Cobijo.
Ich kam vom Supermarkt zurück und sah einen Brand am Rand eines Grundstückes, das an der Grenze des Condominios liegt. Nachdem wir merkten, dass das Feuer nicht mehr zu löschen ist, sondern sich durch das trockene Gras (laut Feuerwehr hat dieses Unkraut ein Öl an sich, das wie Benzin wirkt) und den Wind schnell ausbreitete, haben wir die Feuerwehr gerufen. Die "Stadtsicherheit" war rasend schnell da, machte sich ein Bild, um dann die Feuerwehr leiten zu können, als diese kamen. Und es war höchste Eisenbahn, denn das Feuer war schon über unseren Fahrweg gesprungen und zwei Häuser standen an der Brandschneise. Letztendlich kamen kein Haus oder Person zu Schaden, aber ihr könnt euch anhand der Bilder vorstellen, wie knapp es war. Ich schätze, dass zum Schluss 4 Feuerwehrwagen da waren, um das Feuer einzugrenzen.

Die Brandgefahr ist in der Umgebung von Santiago im Sommer extrem hoch, da durch die Hitze alles vertrocknet, und ein kleiner Funke genügt. Heute kommentierten wir noch, dass auch sehr davon abgeraten wird, das Unkraut mit einem Trimmer mit Klinge zu schneiden, da der Funkenschlag, wenn die Klinge auch einen Stein trifft, schon ein Feuer auslösen kann.

25. Dezember 2008

Frohe Weihnachten - Feliz Navidad

Susanne und Michael haben mir ein Gedicht von Hermann Hesse geschickt, das mir sehr, sehr gut gefällt:
Weihnachten
Ich sehn' mich so nach einem Land
der Ruhe und Geborgenheit
Ich glaub', ich hab's einmal gekannt,
als ich den Sternenhimmel weit
und klar vor meinen Augen sah,
unendlich großes Weltenall.
Und etwas dann mit mir geschah:
Ich ahnte, spürte auf einmal,
daß alles: Sterne, Berg und Tal,
ob ferne Länder, fremdes Volk,
sei es der Mond, sei's Sonnenstrahl,
daß Regen, Schnee und jede Wolk,
daß all das in mir drin ich find,
verkleinert, einmalig und schön.
Ich muß gar nicht zu jedem hin,
ich spür das Schwingen, spür die Tön'
ein's jeden Dinges, nah und fern,
wenn ich mich öffne und werd' still
in Ehrfurcht vor dem großen Herrn,
der all dies schuf und halten will.
Ich glaube, das war der Moment,
den sicher jeder von euch kennt,
in dem der Mensch zur Lieb' bereit:
Ich glaub, da ist Weihnachten nicht weit!

Hermann Hesse (1877-1962)

Jedes Jahr wieder ist Weihnachten ganz anders als in Deutschland. Temperaturen tagsüber bei ca. 32ºC, die Sonne knallt heftig, und gestern abend konnten wir - Alexandra, Sven und ich - bis nach Mitternacht auf der Terrasse sitzen. Und ausser dem Wasser, das durch den Kanal auf meinem Grundstück lief, ist kein Geräusch zu hören (wenn die Hunde nicht gerade bellen), und um uns ist es stockfinster, aber mit einem herrlichen Sternenhimmel.

Wir wollten ursprünglich Heiligabend bei Ali und Sven verbringen, wegen deren Kinder, sie haben sich aber dann zum Ortswechsel bereit erklärt, nachdem am 23.12. bei mir eingebrochen wurde. Ein Fenster und drei Rollläden kaputt, so gut wie nichts geklaut, und wir sind immer noch nicht sicher, wie der/die Einbrecher ins Haus gekommen sind. Denn das Loch im Fenster ist nicht sehr gross, alle scharfkantigen Scherbenreste waren noch am Fensterrand und auf dem Heizkörper, und die Scherben auf dem Boden waren nicht zertreten. Vorsichtshalber habe ich mal die Türschlösser ausgetauscht, denn es kann natürlich sein, dass einer der Bauarbeiter sich rein zufällig eine Kopie eines Schüssels gemacht hatte. Auf jeden Fall haben sie nicht viel mitgenommen (ein bisschen Schmuck und eine Uhr). Da Carmen, meine Putzfrau, an diesem Nachmittag kam, nehmen wir an, sie hat sie überrascht. Denn es war nicht ihr normaler Arbeitstag.

Gut, dass ich jetzt gerade über zwei Wochen Urlaub habe, denn so lange das Fenster nicht wieder heil ist, werde ich nicht ohne weiteres das Haus verlassen können. Carmen kommt so lange zum Glück 3x in der Woche, so dass ich zumindest an diesen Tagen weg kann. Aber ich möchte ja so und so mein Haus fertig einrichten, d.h. die bisherige Rumpelkammer (das Arbeitszimmer) und mein Schlafzimmer.


Im Condominio haben wir letztes Wochenende eine Weihnachtsfeier für die Kinder der Nachbarn und Mitarbeiter organisiert. Vor zwei Jahren gab es ausser Nicolas, so weit ich weiss, noch kein Kind hier (er war zu der Zeit vor allem in den Sommerferien ziemlich einsam), inzwischen kommen aber 15 Kinder zusammen. Viele davon sind im Alter von 1 - 3 Jahren, so dass diese Altersklasse richtig viele Freunde im Cobijo haben wird.

Die Reaktionen auf den Weihnachtsmann waren auch unterschiedlich: Teresita voll Vertrauen.





Aber Pascal will doch gleich wieder zurück zu seiner Mama.

Und ein Abendfoto von den Anden zum Abschluss: